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Gemeindechronik
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Geschichte Gemeinde Wängle

Die erste Nennung des Ortes Wängle scheint in einer Urkunde aus dem Jahre 1278 als "Wengelin" auf. "Wang" ist das altschwäbische Wort für Wiese und "Wenglin" ist die Verkleinerungsform zu Wang, Wängle bedeutet daher der Ort, die Siedlung auf der kleinen Wiese.


Wängle um 1780: Plan über die Lage des Dorfes Wengle und des Leinbaches

Wängle wird durch seine Lage auf einer Terrasse als älteste Siedlung im Talbecken Reutte angesehen. Es war durch Jahrhunderte hindurch der kirchliche Mittelpunkt (Pfarrkirche, Sitz des Pfarrers, Friedhof) der „provincia aschowe“, die bis 1609 im Besitz des Stiftes Füssen war. Dieser größte Besitz des Klosters Füssen auf Tiroler Boden reichte auf der linken Lechseite von Oberletzen (heute Gemeinde Pflach) bis einschließlich Vorderhornbach im mittleren Lechtal. Die „provincia aschowe“ bildete bis ins 16. Jh. eine so festgefügte Großgemeinde, sowohl als politische Verwaltungseinheit, als auch als einheitlicher Wirtschafts-, Gerichts- und Seelsorgeverband, dass in den Geschichtsquellen fast stets nur von dieser, eben von der „Aschau“ die Rede ist. Hingegen werden die Einzelsiedlungen dieser Großgemeinde, nämlich die „Fünf Örter“ nur selten genannt. 1610 gelangte die Aschau durch Kauf zu Tirol.

1608 wurden die Wälder erstmals auf die fünf Orte aufgeteilt. Damit bahnte sich die Auflösung der Großgemeinde Aschau in selbständige Orte an. Gegen Ende des 17. Jhs. lösten sich die ersten Seelsorgstellen von der Mutterpfarre los: 1675 Vorderhornbach, 1685 Weißenbach und 1957 Lechaschau. Die einstige Großpfarre umfasst damit nur mehr die zwei Gemeinden Wängle und Höfen. Nach der Auflösung des Gerichtes Aschau im Jahr 1806 entstanden aus den „Fünf Örtern“ die heutigen selbständigen politischen Gemeinden Wängle, Höfen, Lechaschau, Weißenbach und Vorderhornbach. Für Wängle wird der erste Vorsteher, um 1829 in der Person des Lehrers Josef Maria Nauß nachgewiesen. Für die Zeit von 1938 bis 1945 ging die Selbständigkeit Wängles verloren, es wurde der Großgemeinde Reutte eingegliedert.

Die uralte Einheit der einstigen Aschau lebt aber heute noch in einigen wirtschaftlichen und religiös-kulturellen Gebieten in Form der „Dreiörtlichen Pfarrgemeinde“ und der „Fünförtlichen Pfarrgemeinde“ weiter.

Viehzucht und Saisonarbeit von Männern und Kindern im Ausland bildeten bis nach dem Ersten Weltkrieg die Haupterwerbsquelle der Wängler Menschen. Einen kleinen Teil der früheren großen Salztransporte durch das Außerfern trugen Saumpferde in der schneefreien Zeit von Wängle über das Tiefjoch zum Salzstadel nach Nesselwängle. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat für Wängle wie für viele Gemeinden des Bezirkes ein großer Strukturwandel ein, der sich sichtbar im stark veränderten Ortsbild dokumentiert.


Postkarte mit Ortsansicht Wängle (um 1910)


Postkarte mit Ansicht Ortsteil Winkl

Pfarre zum hl. Martin: Die Pfarre wird in den Amtsschriften bis ins 18. Jh. als Pfarre Aschau, dann als Pfarre Wängle bezeichnet. Die Gründung der Pfarre ist nicht datiert, dürfte aber bis ins 10. Jh. zurückreichen. Unter Pfarrer Johannes B. Reichart war Wängle von 1741 – 1847 Sitz des Dekans für das Landeskapitel Füssen der Diözese Augsburg. Matriken seit 1618. Von den Vorläuferinnen der jetzigen Pfarrkirche gibt es kaum schriftliche Nachrichten. Das heutige Gotteshaus zum hl. Martin wurde 1702/05 von einheimischen Bauhandwerkern erbaut, der Turm 1717 achteckig erhöht und mit zwei Zwiebelhauben abgeschlossen.

(Auszug aus dem Buch „Heimat Außerfern“ von Ferdinand Fuchs)
Quelle: Gemeinde Wängle


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Baugeschichte der drei Wängler Schulhäuser

Bauernstube und Pfarrkirche als Unterrichtsraum

Spuren eines bescheidenen Unterrichts- und Schulwesens lassen sich in Wängle bis zum Jahr 1726 zurückverfolgende, wo in den Pfarrakten erstmals ein Organist festgehalten ist. Mit dem Organistendienst war zu jener Zeit in den allermeisten Fällen auch der Schuldienst verbunden, der bis zur theresianischen Schulreform 1774 von „Männern erteilt wurde, die nach Begriff der damaligen Zeit etwas mehr konnten als die Übrigen.“ Es gab in dieser Zeit auch viele, die trotz Schulbesuches infolge der mangelnden Lehrmethoden das Lesen und Schreiben gar nicht erlernten, und ein Zwang gegen diesen Übelstand wurde nicht angewendet (Schulchronik). Der Besuch des Unterrichts war freiwillig und musste von finanziell unterstützt und gefördert werden. Die Schulstunden wurden in der Stube des jeweiligen „Schulhalters“ gehalten.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts (1790?), nach Einführung der „Allgemeinen Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt- und Trivialschulen“ 1774 durch Kaiserin Maria Theresia erhielt die Gemeinde ihren ersten ausgebildeten und geprüften Lehrer in der Person des Josef Andreas Nauß (1751 – 1842) aus Wängle. Lehrer Nauß war ein tüchtiger Schulmeister und heimatliebender Tiroler. Anno 1809 führte er als Schützenmajor eine Kompanie Außerferner Freiheitskämpfer, was ihm nach der Niederlage Tirols die Ungnade der bayrischen Besatzungsmacht zuzog. Er wurde nach Großnesselwang in Bayern versetzt.
Der Unterricht wurde seit Lehrer Nauß geregelt und regelmäßig in einer Stube des Hauses der Familie Nauß erteilt. Für das Haus Nr. 35 (damalige Hausnummer!) war lange Zeit der Hausname „bei Schullehrers“ üblich.

Zweites Wängler Schulhaus

Der Bau des zweiten Wängler Schulhauses ist untrennbar mit der Persönlichkeit und Tatkraft des Lehrers und Gemeindevorstehers Johann Georg Retter (1832 – 1908) verbunden. Retter war ein sehr begabter und vielseitiger Mensch, dessen Wissen und Aufgeschlossenheit ihn in Kontakt mit vielen Menschen niederen und hohen Standes treten ließ. Den Ausschlag für den Neubau, nachdem das bisherige Schulhaus „zu klein, unansehnlich und ohne Lehrerwohnung war“ gab letzten Endes der bürgerliche Baumeister Josef Anton Weirather, geboren 18. September 1810 in Wängle, der in München zu Ansehen und Reichtum gelangte Er sicherte der Gemeinde auf Grund der freundschaftlichen Beziehung mit Lehrer Retter einen Baukostenbeitrag von 800 Gulden zu, worauf die Gemeindevertretung in einer einzigen Ausschusssitzung den Schulhausbau beschloss. In dieser bedeutsamen Sitzung wurde auch beschlossen, das Gemeindehaus in Niederwängle zu verkaufen und das bisherige Schulgebäude nach Vollendung des neuen Schulhauses in ein Armenhaus umzugestalten.
Beim Bau des zweiten Wängler Schulhauses 1877/78 wurden die Seelsorgstationen und Nachbargemeinden von den Bau- und Erhaltungskosten enthoben mit der Bedingung, dass der Gemeinde Wängle das alte Schulhaus als alleiniges Eigentum überlassen werde.
Lehrer und Vorsteher Retter erstellte die Baupläne und den Kostenvoranschlag und übte die Bauaufsicht aus, alles unentgeltlich; Retter war nicht nur Lehrer, sondern auch Maurer und Bauzeichner und zog als solcher viele Jahre mit den übrigen Wängler Maurern und Bauhandwerkern den Sommer über nach Deutschland.
Die Gesamtkosten für den Schulhausbau beliefen sich auf 3681 Gulden 17 Kreuzer, wovon die Gemeindekasse lediglich 500 Gulden – ein Siebtel des Gesamtbetrages! – beisteuern musste. Die beachtliche Summe von über 3000 Gulden erbettelte buchstäblich der Lehrer und Gemeindevorsteher von Freunden und Gönnern. Von Kaiser Franz Joseph erhielt er 200 Gulden, von Kaiserin Zita 50 Gulden, vom großen Wohltäter der Gemeinde Josef Anton Weirather 800 Gulden, aber auch mehrere Wängler selbst scheinen in der Spendenliste der Schulchronik mit größeren Beträgen auf. Eine Gemeindeumlage von den Gemeindebürgern musste nicht eingehoben werden. Jeder Steuerträger musste jedoch 13 Tage Frondienst leisten und einen brauchbaren Holzladen beistellen.
1907 kaufte die Gemeinde vom Schreinermeister Biber, Wängle, den Acker an der Sürdseite des Schulhauses, den Lehrer Zobl in einen Obstgarten verwendelte und auf dem heute zum Großteil das jetztige Schulhaus steht. 1940 kaufte die Marktgemeinde Reutte, der Wängle in der nationalsozialistischen Ära eingegliedert war, aus dem Kirchenbesitz den Acker längs der Straße nach Höfen als Spiel- und Pausenplatz.


Plan des Schulhauses vor den Umbaumaßnahmen 1955/56

Größere Reparaturen erfolgten in den Jahren 1908, 1921 und schließlich 1955/56 ein gründlicher Umbau (neuer Dachstuhl, Klosettanlage, Stiegenhaus verlegt, neue Fensterstöcke, Lehrerwohnung renoviert, neuer Außenverputz, u.a.m.)
Mit Schulschluss Juli 1974 verlor das Haus seine Funktion als Schulgebäude. Im Herbst des gleichen Jahres wurde der erste Gemeindekindergarten Wängles errichtet und zog im ehemaligen Klassenraum ein.
Zur Zeit ist im Haus nur noch eine Wohnung untergebracht. Das ehemalige Klassenzimmer wird von der Landjugend als Vereinslokal genutzt.
Fast ein Jahrhundert lang (1878 – 1974) drückte im zweiten Schulhaus die Wängler Jugend die Schulbank und ab Jänner 1952 das freie Schulgestühl. Viele Generationen holten sich hier mit größerem oder geringerem Eifer das Grundwissen für das spätere Leben. Manche der ehemaligen Schüler eigneten sich in Gymnasien, Lehrerbildungsanstalten und Universitäten größeres Wissen und Können an und bekleideten und bekleiden ehren- und verantwortungsvolle Stellen in der Heimat.
Kirchliche und weltliche Würdenträger schritten über die Schwelle des Hauses. Es diente als Vortrags- und Kursraum, durch Jahrzehnte als Probelokal des Pfarrkirchenchores, anlässlich der Glockenweihe 1949 sogar als Schießbude. Das Schulhaus war im wahrsten Sinn des Wortes Bildungs- und Erziehungsstätte des ganzen Dorfes.

Drittes Wängler Schulhaus

Die neuen Schulgesetze des Jahres 1962 und die Aussendungen für das mit 1. September 1974 in Kraft getretene Schulunterrichtsgesetz leiteten eine grundlegende Neuordnung des österreichischen Schulwesens ein und stellten die Gemeinde als Schulerhalter vor wichtige Fragen. Konkret brachten die neuen Schulgesetze neben vielen Änderungen im inneren Schulbereich für Wängle den Verlust der Volksschuloberstufe, denn der Volksschulsprengel wurde gesetzlich dem Hauptschulsprengel Reutte eingegliedert, womit der Besuch der Hauptschule verpflichtend geworden ist, sowie die Schaffung neuen Schulraumes (zweites Klassenzimmer, Turnsaal!). Der Paragraph 14 des Schulorganisationsgesetzes legte die Klassenschülerzahl im allgemeinen mit 30 fest und darf die Schülerzahl 36 nicht überschreiten.
Die Besprechungen zur Schaffung der neuen Schulräumlichkeiten setzten bereits 1963 ein. Sie zogen sich schleppend dahin, andere wichtige Gemeindeaufgaben mussten erfüllt werden, bis dann am 27. Oktober 1972 Eltern und Gemeindeverantwortliche vor eine für die Gemeinde kulturell sehr bedeutsame Entscheidung gestellt wurden. Im Zusammenhang mit der damaligen Bestrebung, der Zusammenlegung kleinerer Gemeinden zu einer größeren kommunalen Einheit, kündigte Bezirksschulinspektor Alfons Kleiner beim „Tag der offenen Türe in der Volksschule“ die Auflassung der Grundschule in Wängle und die Eingliederung derselben in die Volksschule Höfen an, wo derzeit ein Klassenraum leer stand. Damit wurde im Dorf eine rege Debatte über die Schulverhältnisse und das Für und Wider einer Schule als kulturelles Zentrum eines Dorfes ausgelöst.
In seltener Aufgeschlossenheit, Einmütigkeit und Opferbereitschaft traten die Gemeindevertreter und Eltern für den Verbleib der Schule in der Gemeinde ein und stimmten dafür, dass nur ein moderner Neubau die Schulraumfrage mit der Errichtung eines Kindergartens lösen wird. Wille und Wunsch der Gemeindebürger drückte das Protokoll der entscheidenden Gemeinderatssitzung vom 6. Jänner 1973 sehr deutlich aus: „... der Gemeinderat ist mit dem Vorschlag, die Kinder nach Höfen zu schicken, nicht einverstanden und spricht sich dafür aus, dass alles daran zu setzen ist, die Kinder in der eigenen Gemeinde zu behalten und zwar auch dann, wenn ein Schulhausbau große finanzielle Opfer von der Gemeinde fordert.“
Die letzte Hürde für den dritten Schulhausbau nahmen die Aussprache mit Landesrat Dr. Partl am 25. Jänner 1973 in Wängle, bei der er sich für die Erhaltung der Dorfschule aussprach und die finanzielle Unterstützung durch das Land zusicherte, und die Gemeindeversammlung am 28. April 1973, die sich einmütig für den Neubau einer zweiklassigen Schule und eines Turnsaales aussprach.
In Zusammenarbeit mit dem Schulleiter erstellten die beiden Bautechniker Albin Hosp, Oberletzen, und Erich Pohler Winkl, in kurzer Zeit mit großer Umsicht und schulischem Einfühlungsvermögen die Baupläne. Zur Erhaltung der Spielwiese vor dem geplanten Schulhaus war der Ankauf des an das Schulgrundstück östlich angrenzenden Grundstückes aus dem Kircheneigentum notwendig. Im Juni 1973 begann die Fundierungs- und Rohbauarbeiten durch die Firma Werner Storf, Reutte. Im September setzten die Firmen Saurer und Hosp, Reutte, bereits die zwei Dachstühle auf. Im Frühjahr und Sommer 1974 erfolgten die Innenarbeiten. Im September reinigte eine große Schar fleißiger Frauen und Mädchen das Gebäude. Inzwischen trafen auch die Inneneinrichtungen ein. Rechtzeitig mit Beginn des Schuljahres 1974/75, am 9. September 1974, konnte nach knapp eineinhalbjähriger Bauzeit der Unterricht in zwei Klassen aufgenommen werden. Eine großartige Leistung für eine kleine Landgemeinde, wofür der Gemeinderat mit Bürgermeister Thomas Gundolf an der Spitze Verantwortung zeigte.
Die offizielle Schulhauseinweihung fand am 19. September 1976 statt und wurde vom damaligen Bürgermeister Martin Weirather im Beisein von Bezirkshauptmann HR Dr. Amann, Landesrat Dr. Partl, Landesarchivdirektor Dr. Widmoser sowie OSR Ferdinand Fuchs und weiteren Vertreten aus Politik und Kultur vorgenommen.

 

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